Ein
gutes Jahr 2003 für Sachsen-Anhalt?
PDS: „Reform“ sollte
Unwort des Jahres werden
"Sachsen-Anhalt im Aufbruch - ein traditionsreiches
Land mit Zukunft" – so betitelte Ministerpräsident Böhmer seine
Regierungserklärung vom 20. Juni 2002.
Was ist davon geblieben?
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Mehr soziale Gerechtigkeit, bessere Chancen
für selbstbestimmte Lebensgestaltung? Fehlanzeige.
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Gestärkte kommunale Selbstverwaltung,
mehr demokratische Mitbestimmung? Fehlanzeige.
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Innovations- und Wirtschaftspolitik, die Arbeit
und Umwelt eine Perspektive gibt? Fehlanzeige.
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Chancengleicher Zugang zu Erwerb, Erweiterung
und Anwendung von Wissen? Fehlanzeige.
Von Aufbruchstimmung ist wenig zu spüren,
an der Zukunft wird herumgestrichen und gekürzt, wo immer es nur geht.
Die PDS-Landtagsfraktion hat ihre Oppositionsrolle
nicht darauf beschränkt, Regierungshandeln zu kontrollieren und auf
offensichtliche politische Fehlentscheidungen von Regierung und Koalition
öffentlich aufmerksam zu machen – es ging stets auch um realistische
Alternativen zu den Vorhaben von CDU und FDP im Lande. Und das gilt genauso
mit Blick auf die Bundesregierung, die in vielen Bereichen Tatsachen geschaffen
hat, die den Zielen von CDU und FDP so fern nicht sind – davon kann auch
großes Polittheater nicht ablenken.
Stichwort soziale Gerechtigkeit.
Der Ministerpräsident fand es angemessen, eine Zukunftsdebatte in
Gang zu setzen, und die PDS hat das durchaus begrüßt und angenommen.
Weniger den Anlass – wenn Geld für Kinderbetreuung gegen Geld für
Theater aufgerechnet wird, ist das auch nicht sonderlich zukunftsweisend.
Vom angekündigten Widerstand gegen sogenannte Reformvorhaben der Bundesregierung
ist wenig geblieben. Das trifft im Lande die, die sowieso am wenigsten
haben, und es treibt die Leute aus dem Land, die Jungen vor allem.
Stichwort Kommunen. Nachdem zunächst
jahrelange Arbeit vom Tischgefegt wurde, prägen das Bild heute chronische
Finanznot und Unklarheit über die Zukunft der Kommunen und Landkreise.
PDS-Vorschläge für eine wirksame Gemeindefinanzreform wurden
ignoriert. Dasselbe Bild in der Landesverwaltung. Künftige Strukturen
bleiben noch immer im Dunkeln, Perspektiven des Landespersonals ebenso.
Nicht einmal eine von der PDS geforderte parlamentarische Begleitung der
Personalentwicklung fand bei CDU und FDP Mehrheiten.
Stichwort Wirtschaft. Noch immer
strömen die Investoren nicht ins Land, die Zahl der Arbeitslosen bleibt
katastrophal hoch. Das mag auch an den Rahmenbedingungen im Lande liegen,
eine von der PDS vorgeschlagene Reform der Wirtschaftsförderung in
Sachsen-Anhalt fand bis heute nicht statt, Es blieb bei blumigen Ankündigungen.
All das schlägt durch bis hin zur Ausbildungsplatzsituation, junge
Leute finden hier keine Lehrstellen, also suchen sie woanders.
Stichwort Bildung. An die Stelle
einer von der PDS vorgeschlagenen flexiblen und kinderfreundlichen Schulentwicklungsplanung
tritt der Kahlschlag. Lange Wege, höhere Kosten für die Beförderung,
das sind die Folgen, wenn Bildungspolitik auf die Sichtweise der Finanzen
reduziert wird. Innovativ und zukunftsweisend ist das gewiss nicht. Und
es setzt sich fort in der Ausdünnung der Hochschullandschaft in Sachen
Anhalt. Wichtige Zukunftspotentiale fallen dem Rotstift des Finanzministers
zum Opfer, der Kultusminister nimmt es hin. Eine moderne Bildungslandschaft,
die junge Leute ins Land zieht, wird so nicht entstehen.
Auch in diesem Jahr wird ein neues
“Unwort des Jahres” gewählt. Das Wort “Reform” vor hat
vielleicht große Chancen. Reformen - das war ein Begriff, der für
Verbesserung eines Zustandes stand, und zwar für die Verbesserung
der Situation der meisten Menschen in diesem Land. Es war auch ein Begriff,
der für mehr Demokratie und mehr Gerechtigkeit stand. Gemacht wird
das Gegenteil! Wenn heute von Reformen die Rede ist, darf die Mehrheit
der Bürgerinnen und Bürger getrost davon ausgehen, dass der Gürtel
mal wieder enger zu schnallen ist.
Die PDS in Sachsen-Anhalt wird sich treu
bleiben. Wir wollen eine lebenswerte Zukunft für die Menschen hier,
wir werden dazu unsere Alternativen
weiter in die Diskussion bringen
und wir werden allem den Widerstand
ansagen, was der Zukunft in
diesem Land Tür und Tor verbaut.
Magdeburg, im Dezember 2003
Dr. Petra Sitte
PDS-Fraktionsvorsitzende
Dr. Rosemarie Hein
PDS-Landesvorsitzende