| Der Sozialstaat wird
zum Sozialhilfefall!
Zur Regierungserklärung
des Bundeskanzlers am 14. März 2003
Vor allem drei gravierende
Fakten springen bei der Regierungserklärung des Kanzlers förmlich
ins Auge:
Es gibt keinen Richtungswechsel
– das „Rezept“ bleibt und heißt Abbau im sozialen Bereich,
der soll nur schneller und drastischer erfolgen
Er sagt wieder einmal nichts
zum Osten.
Hauptlasten tragen
ArbeitnehmerInnen und Arbeitslose.
ArbeitnehmerInnen und Arbeitslosen
werden Sanktionen und substantielle Verschlechterungen angekündigt.
An die Adresse der Arbeitgeber gehen lediglich unverbindliche Forderungen
und Drohungen.
Ein die Bezeichnung verdienender
innovativer
Ansatz fehlt völlig – zu Wissenschaft, Forschung, Technologieentwicklung
und Bildung bleibt es bei Ankündigungen, WAS aber WIE umgesetzt werden
soll, bleibt völlig offen. Das ist umso verheerender, als es gerade
hier um echte Wachstumspotentiale geht, die Substanz für notwendige
Entwicklungen in sich bergen.
Kein Wort verliert der Kanzler
zur Schaffung einer gerechteren Einnahmestruktur – Unternehmenssteuerreform
fällt aus.
Dafür wird der Kündigungsschutz
ausgehöhlt, eine scharfe Zäsur wird es bei der Bezugsdauer
des Arbeitslosengeldes geben (unter 55 Jahre noch 12 Monate,
über 55 Jahre noch 18 Monate). Zu befürchten ist eine Aushöhlung
der Tarifverträge - Deutschland droht die Gefahr eines Billiglohnlandes.
Die Arbeitslosenhilfe wird auf das Sozialhilfeniveau abgesenkt.
Vage bleibt der Kanzler
bei den Feldern Rente und Gesundheitswesen.
Wie sollen mit diesen Instrumentarien
neue
Arbeitsplätze entstehen? Der Kanzler bleibt die Antwort schuldig.
Immerhin auch ein paar gute
Nachrichten: Die Kommunen sollen aus der Pflicht entlassen werden, Sozialhilfeleistungen
für Erwerbsfähige zu zahlen.
Das angekündigte Kreditprogramm
für die Kommunen hat einen großen Haken: Es hilft nur jenen,
die noch Kredite aufnehmen dürfen.
Die Erleichterungen für
Kommunen zur Finanzierung von Fluthilfen sind zu begrüßen.
Fazit: Schon im Vorfeld
wurden große Ankündigungen lanciert. Aber es geht kein Ruck
durch’s Land!
Dr. Petra Sitte
Fraktionsvorsitzende
Dr. Rosemarie Hein
Landesvorsitzende
14. März 2003
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