Veränderungen sind
Sache der Gebührenzahler!
Zum Vorstoß mehrerer
Ministerpräsidenten ARD und ZDF massiv zu verschlanken, erklärt
Matthias Höhn, stellvertretender Landesvorsitzender der PDS und medienpolitischer
Sprecher der PDS-Landtagsfraktion:
Staatsfernen und unabhängigen
Rundfunk gibt es nur als öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wer den
will, muss auch seine Finanzierung schultern. Wer ihn auf technisch höchstem
Standard und zeitgemäß will, muss sich auch zu den Entwicklungskosten
bekennen.
Knapp 54 Cent – das ist der
Betrag, den jeder Gebührenzahler für 15 Fernseh- und 63 Rundfunkprogramme
des öffentlich-rechtlichen Rundfunks pro Tag entrichten muss. Und
das auch nur, wenn er nicht gebührenbefreit ist.
Bedenkt man, dass mittlerweile
die meisten Programme über Kabel und Satellit bundesweit empfangbar
sind, lassen sich die täglichen Kosten für das einzelne Programm
schon gar nicht mehr in vollen Cent ausdrücken. Die Rundfunklandschaft
ist bedarfsorientiert gewachsen. Veränderungen sind Sache der Gebührenzahler,
nicht der Ministerpräsidenten.
Das Spiel der Ministerpräsidenten
ist übersichtlich: Bessere Chancen für die privaten Wettbewerber.
Hier ist die Kontinuität seit dem Stoiber-Biedenkopf-Papier aus dem
Jahr 1994. Selten war der private Rundfunk in einer solchen Umbruchsituation
wie im Moment.
Die Höhe der Rundfunkgebühr
kann aber nicht am Zustand der Privaten fest gemacht werden! Sie muss bemessen
werden nach dem Bedarf, der sich für ein umfassendes Angebot der öffentlich-rechtlichen
Sender ergibt.
Wollen wir in der Bundesrepublik
Deutschland einen stabilen und leistungsstarken staatsfernen Rundfunk oder
nicht? Das ist die Frage, um die es sich dreht.
Für die Kostenexplosionen
der letzten Jahre, z.B. im Sportbereich, sind die verantwortlich, die sich
jetzt beklagen, ARD und ZDF hätten zu viel Geld und würden die
Privaten verdrängen. Die Kirch-Pleite war hausgemacht. Jetzt die öffentlich-rechtliche
Konkurrenz dafür in
Haftung zu nehmen, ist unzulässig. Wer zahlt eigentlich die in den
Sand gesetzten Milliarden, Herr Stoiber, mit denen Bayern Kirch unterstützt
hat?
Der gestern bekannt gewordene
Generalangriff vonseiten der Politik auf den öffentlich-rechtlichen
Rundfunk ist beispiellos in der bundesdeutschen Geschichte und mit dessen
verfassungsmäßiger Bestands- und Entwicklungsgarantie unvereinbar!
Die massive politische Einflussnahme,
die jetzt auf ARD und ZDF ausgeübt wird, ist nicht hinzunehmen. Wer
einen gefügigen Staatsfunk haben will, soll es laut sagen! Wer gar
keinen nicht-privaten Rundfunk haben will, soll es auch laut sagen! Wir
wollen beides nicht!
Magdeburg, 12.11.2003 |