Vabanque-Spiel der Landesregierung
100 ha Gen-Mais am Stück, Cui bono?
„Die Landesregierung spielt
mit der Grünen Gentechnologie Vabanque“, so der umweltpolitische Sprecher
der PDS-Landtagsfraktion, Dr. Uwe Köck, zu dem Affront zwischen Landwirten
und Landesregierung um den versuchsweise großflächigen Anbau
von Gen-Mais in Sachsen-Anhalt. Gerade die seitens der PDS gesehenen Knackpunkte
- Transparenz, Öffentlichkeit, Wahlfreiheit des Verbrauchers und des
Landwirtes, wissenschaftliche Begleitforschung – werden missachtet. Die
Landesregierung verfolgt immer unverhüllter das Ziel, einen Dammbruch
für den großflächigen Anbau genveränderter Kulturpflanzen
zu erreichen. „Hauptsache mehr als 100 ha Gen-Mais am Stück!“ lautet
das Motto. „Es sind bislang keine Ansätze zu erkennen, auch das EU-rechtlich
vorgeschriebene adäquate versuchsbegleitende Monitoring zu konzipieren.
Anstatt sich dadurch zu profilieren, eine modernere Risikoforschung auf
den Weg zu bringen,“ so der Umweltpolitiker, „sieht sich die Landesregierung
in der Rolle des Vollstreckungsgehilfen der großen Agrarmultis.“
Die PDS steht klar auf der
Seite der landwirtschaftlichen Interessenverbände, deren berechtigte
Fragen und Sorgen leichfertig weggewischt werden. Der positive Grundtenor
der Landtagsdebatte vom Juli 2003 über einen Antrag zur Förderung
der Biotechnologie wird offensichtlich als Freibrief verstanden. Jedoch
erging auf Vorschlag der PDS gleichzeitig die Aufforderung zur Schaffung
größtmöglicher Transparenz, einer aufklärenden breiten
Öffentlichkeitsarbeit sowie einer adäquaten Sicherheits- und
Begleitforschung. Hierfür sind bis jetzt keine gesteigerten Bemühungen
zu spüren. Diese Haltung war bei der vom Landtag vor wenigen Tagen
durchgeführten ganztägigen Anhörung zu den Chancen und Risiken
der Biotechnologie geradezu körperlich zu spüren – nach einer
kurzen Stippvisite verschwand Minister Rehberger und mit ihm nahezu alle
Ministerialbeamten. Sie pfeifen offensichtlich auf die Mei-nung des Parlaments,
denn während die Parlamentarier noch mit der Aufarbeitung einer ganztägigen
Anhörung zu Chancen und Risiken der Gentechnik und Biotechnologie
beschäftigt sind, schafft die Landesregierung vollendete Tatsachen.“
Magdeburg, 10.11.2003
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