Hartz-Reform bewirkt
in Sachsen-Anhalt wenig
Antwort der Landesregierung
auf Große Anfrage:
kaum Beschäftigungseffekte
für das Land
Die Maßnahmen der Bundesregierung
zur Veränderung auf dem Arbeitsmarkt haben in Sachsen-Anhalt ernüchternde
Ergebnisse. Die Mittel der Arbeitsämter sind in diesem Jahr um fast
14 % zurückgegangen. Gleichzeitig müssen aus den weniger gewordenen
Mittel mehr Aufgaben als vorher finanziert werden. Das führte
in Sachsen-Anhalt zu einem Rückgang der Teilnehmer/innen in ABM, Strukturanpassung
und Weiterbildung um ca. 16.000 Personen. Und obwohl im gleichen Zeitraum
etwa 4000 Menschen mehr durch Lohnkostenzuschüsse auf dem 1. Arbeitsmarkt
gefördert wurden, stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen um fast
15.500.
Förderung regulärer
Beschäftigung bedeutet also durchaus keine Entlastung des Arbeitsmarktes,
aber Wegfall von Maßnahmen erhöht die Langzeitarbeitslosigkeit
fast linear.
Das hat auch zur Folge, dass
Strukturen im sozialen und kulturellen Bereich nicht mehr aufrecht erhalten
werden konnten und weil es für gestrichene ABM keine Kompensation
für Vereine und Projekte gibt, bleibt wichtige Arbeit, zum Beispiel
mit Jugendlichen, einfach liegen. Dazu kommt, dass noch vorhandene Maßnahmen
nur noch ein halbes Jahr dauern und damit die Arbeit fast unmöglich
gemacht wird. Die Landesregierung hält diese Entwicklung für
unvermeidbar und hinnehmbar.
Die Landesregierung hält
auch die neuen Zumutbarkeitsregeln für angemessen. Wie viele Bürger/innen,
vor allem Junge, das Land verlassen haben, weil ihnen Arbeit in einem anderen
Bundesland zugewiesen wurde, weiß die Landesregierung allerdings
nicht. Fakt ist, dass die Verhängung von Sperrzeiten in Sachsen-Anhalt
um 170 % gestiegen sind, obwohl sich die Arbeitsmarktsituation keineswegs
verbessert, d. h. also den Arbeitslosen nicht wirklich eine Perspektive
geboten werden konnte.
Die neuen Personalservive-Agenturen
haben bei weitem nicht das gehalten, was man sich davon versprochen hatte,
hierin stimmen PDS und die Landesregierung überein. Das Problem sind
allerdings nicht die Personalservice-Agenturen, die an einigen Stellen
vielleicht Erfolge erzielen können, sondern die überzogenen Erwartungen,
die mit der Hartz-Reform ausgerechnet an dieses Instrument geknüpft
wurden.
Auch das Programm "Kapital
für Arbeit" bleibt, nimmt man die Erwartungen als Maßstab, unbefriedigend
auch in Sachsen-Anhalt, obwohl das Programm hier noch am besten läuft.
Für einen Erfolg hält
die Landesregierung die "Ich-AG". 1.622 Menschen haben diesen Schritt in
die Selbständigkeit bis Juli gewagt. Wie viele davon ungefördert
überleben werden und wie der Konkurrenzdruck auf vorhandene Handwerksbetriebe
wirkt, wird die Zukunft zeigen. Fakt ist, dass die meisten "Ich-AG"
ausgerechnet im Baugewerbe und bei der Instandhaltung entstehen, wo der
Verdrängungswettbewerb schon jetzt groß ist.
Fazit der PDS aus der Hartz-Reform:
·
Die Arbeitsmarkteffekte sind marginal.
·
Der Druck auf Arbeitslose wird erhöht.
·
Die Entstehung von Niedriglohnsektoren wird beschleunigt.
Wir brauchen Arbeitsmarktreformen,
die die Kaufkraft stärken und Nachfrage schaffen.
Wir brauchen Arbeitsmarktreformen,
die die Beschäftigungsmöglichkeit für Menschen sichern.
Wir brauchen Arbeitsmarktreformen,
die das Qualifikationsniveau von Menschen erhalten und steigern.
Wir brauchen Arbeitsmarktreformen,
die die Arbeitslosigkeit bekämpfen und nicht die Arbeitslosen.
Sabine Dirlich
arbeitsmarktpolitische Sprecherin
Magdeburg, den 24.10.2003 |