Bankrott der Kommunen
bedeutet Vernichtung der Zukunft
PDS-Mandatsträger
warnen:
Kaum noch Handlungsspielräume
für öffentliche Daseinsvorsorge
Das politische Handeln auf
Bundes- und Landesebene sowie die aktuelle Diskussion um die Gemeindefinanzreform
zeigen keinen Ausweg aus der katastrophalen Haushaltslage der Kommunen
in Sachsen-Anhalt. Die Kommunen sind nicht mehr in der Lage, die wesentlichen
Aufgaben der Daseinsvorsorge zu erfüllen. Kommunalpolitik hat kaum
noch Handlungsspielräume – Kommunen werden immer mehr zu Befehlsempfängern
der Kommunalaufsicht.
Die Resultate sind eindeutig:
Beschädigung demokratischer Grundwerte, wirtschaftlicher und sozialer
Niedergang und Abwanderung.
Die Ursachen dafür sind
klar. Die Bundesregierung hat mit den Steuergesetzen seit 1999 riesige
Einnahmeverluste der öffentlichen Kassen bewirkt. In ihrer Not greifen
Bund und Länder denjenigen in die Tasche, die für diese Entwicklung
keine Verantwortung tragen – den Kommunen. Zum einen brechen hier die eigenen
Steuereinnahmen in Folge der Gesetzesänderungen ein, zum anderen bedienen
sich Bund und Länder zusätzlich.
Der Haushaltsplanentwurf
des Landes für das Jahr 2004 enthält weitere Belastungen für
die Kommunen. Die allgemeinen Zuweisungen sinken erneut.
Bundesweite Aktionen in den
Kommunen haben erste Wirkungen gezeigt. Die Koalition von SPD und Grünen
ist bereit, die bisher enttäuschende Vorlage der Bundesregierung zur
Gemeindefinanzreform nachzubessern. Die Ausdehnung der Gewerbesteuer auf
ertragsunabhängige Elemente und die Absenkung der Gewerbesteuerumlage
von 29 % auf 20 % beheben noch nicht die Probleme der Kommunen, sind aber
Schritte in die richtige Richtung.
Die Blockade der Landesregierung
zu diesen Plänen ist ein weiterer Schlag ins Gesicht der Kommunen.
Sollte die Landesregierung im Bundesrat bei dieser Haltung bleiben, trägt
sie maßgebliche Verantwortung für die katastrophale Finanzsituation
in den Kommunen.
Notwendig sind zudem die
Erhöhung der Anteile der Kommunen an den Gemeinschaftssteuern sowie
die Neubewertung des Grundvermögens als Basis für die Grundsteuererhebung.
Steuergeschenke gegenüber
den großen Kapitalgesellschaften und Privatvermögen sind zurückzunehmen.
Ministerpräsident Böhmer
will eine breite Debatte zur Zukunft des Landes - die wirklich ernsthaften
Probleme kommen bei ihm bislang nicht vor. Alle sollen sparen - dann mag
der Herr Ministerpräsident auch endlich sagen, wofür!
Magdeburg, 18. Oktober 2003
Wulf Gallert
parlamentarischer Geschäftsführer
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