Ursachen des Hungers
lassen sich nicht mit „Grüner“ Gentechnik beseitigen
Zum Welternährungstag
am 16.10.2003
Die Hungerprobleme der Welt
lassen sich nicht mit Grüner Gentechnik aus dem satten Teil dieser
Welt lösen, so wie dies auch der massenhafte Einsatz von DDT und anderen
Agrochemikalien während der „Grünen Revolution“ vor 30 Jahren
nicht vermochte, wenn sich nicht auch die gesellschaftlichen Verhältnissen
grundlegend ändern. Genmanipulierten Reises bedürfte es zum Schutz
vor der Reisblindheit nicht, sondern es reicht eine tägliche Handvoll
vitaminreichen Gemüses...
Der massenhafte Einsatz genmanipulierter
Kulturpflanzen ist vor allen Dingen der Schlüssel für die Globalisierung
im Bereich der Agrarproduktion. Es droht eine Monopolisierung auf dem Saatgutmarkt
durch wenige Chemie- und Saatgutkonzerne und eine weltweite völlige
Abhängigkeit der Bauernschaft. Es droht die völlige Zerschlagung
der für die Ernährung lebenswichtigen traditionellen subsidiären
Landwirtschaft im Süden unserer Hemisphäre.
Angesichts des Überflusses
des Nahrungsmittelangebots in den Industrieländern, dem Gerede von
Butter- und Fleischbergen sowie stillgelegten Äckern bei gleichzeitiger
Alimentierung der landwirtschaftlichen Urproduktion ist es sowohl für
den Landwirt als auch den Verbraucher nicht plausibel, worin für ihn
der Nutzen gentechnisch erzeugter insektizid- oder herbizidresistenter
Kulturpflanzen bestehen soll.
Ein massenhafter Einsatz
solcher Kulturpflanzen birgt stattdessen für die heimische Landwirtschaft
und den Verbraucher unabschätzbare Langzeitrisiken durch eine unkontrollierte
Ausbreitung manipulierter Gene in der freien Natur und in der Nahrungskette.
Den jüngsten Forderungen von Strengen Regeln für die Gentechnik
durch Greenpeace ist deshalb grundsätzlich zuzustimmen. Das Vorsorgeprinzip
muss so lange greifen, bis die Unbedenklichkeit zweifelsfrei nachgewiesen
ist.
Die Landespolitik in Sachsen-Anhalt
muss deshalb neben der sich abzeichnenden reinen Biotechnologieförderung
zugleich
die biotechnische Begleitforschung
systematisieren und ausbauen,
die traditionelle Züchtung
und Züchtungsforschung auf hohem Niveau erhalten,
die Öffentlichkeit
bei der Thematik insgesamt, und bei Freisetzungsversuchen umfassend informieren
und beteiligen
Sicherheiten schaffen, dass
für Landwirte, die dies wünschen, eine gentechnikfreie Produktion
und für Verbraucher, die dies wünschen, der Verbrauch von Lebensmittel
ohne Komponenten aus genmanipulierten Nutzorganismen gewährleistet
ist.
Das Reinheitsgebot muss
beim Saatgut beginnen, und im Munde des Verbrauchers enden.
von der Wirtschaft eine
angemessene Beteiligung am Langzeitmonitoring einfordern.
Magdeburg, 16.10.2003
Dr. U.-V. Köck
Umweltpolitischer Sprecher
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