Erklärung der PDS
zum Verhalten des Justizministers des Landes Sachsen-Anhalt Curt Becker
Nach Bekannt werden der Aktivitäten
des Justizministers des Landes S/A in einem Rechtsstreit zwischen einem
CDU-Landtagsabgeordneten und der Stadt Naumburg, bewerten der Fraktionsvorstand
der PDS-Landtagsfraktion sowie die rechtspolitische Sprecherin, Gudrun
Tiedge, diesen Vorgang wie folgt:
Das offizielle Schreiben
des Justizministers an den Oberbürgermeister der Stadt Naumburg stellt
aus unserer Sicht eine versuchte Einflussnahme dar, die mit der Funktion
des Justizministers unvereinbar ist. Bereits die „nachdrückliche“
Bitte des Ministers an den Oberbürgermeister der Stadt Naumburg, die
Klage gegen die Gesellschaft seines CDU-Landtagskollegen fallen zu lassen
bzw. zu modifizieren, überschreitet die Grenze des Zulässigen.
Verschärft wurde die Situation weiterhin dadurch, dass dieses Schreiben,
welches inhaltlich ausdrücklich die Position seines CDU-Landtagskollegen
stützt, diesem zur Verfügung gestellt wurde. Dadurch hat Herr
Becker die Voraussetzung dafür geliefert, dass dieses Schreiben in
die Gerichtsverhandlung eingebracht wurde, was wiederum letztlich eine
politische Einflussnahme auf ein laufendes Gerichtsverfahren ermöglichte.
Skandalös ist aus Sicht
der PDS die oberflächliche und verharmlosende Beurteilung dieses Vorganges
durch den Ministerpräsidenten, Herrn Böhmer. Die Position des
Ministerpräsidenten legt nahe, dass es sich hierbei nicht um einen
einmaligen Ausrutscher eines Kabinettmitgliedes, sondern um ein politisch
akzeptiertes Vorgehen von Mitgliedern der Landesregierung handelt. Wir
fordern den Ministerpräsidenten dringend auf, seine Haltung zu überdenken,
alles andere kann als ein Aufruf zum Missbrauch politischer Ämter
verstanden werden.
Im gleichen Zusammenhang
kritisiert die PDS das Verhalten des CDU-Landtagsabgeordneten, H.-J. Poser,
der durch die Weitergabe des Becker-Briefes an seinen Anwalt offensichtlich
versucht hat, mit Hilfe politischer Freunde Einfluss auf einen langjährigen
Rechtsstreit zu nehmen.
Der Justizminister des Landes
Sachsen-Anhalt hat mit seiner Vorgehensweise selbst Kriterien verletzt,
die er durchaus berechtigt für das Verhalten von Richtern in diesem
Lande öffentlich einklagte. Wir fordern Herrn Becker auf, aus dieser
Situation die notwendigen persönlichen Konsequenzen zu ziehen.
Sollten sich bei der vorgesehenen
Anhörung am Dienstag, dem 14. Oktober 2003, keine gravierend anderen
Aspekte ergeben, hält die PDS ihrerseits einen Rücktritt für
unumgänglich.
Durch das Verhalten des Justizministers,
des Ministerpräsidenten und des CDU-Landtagsabgeordneten, H.-J. Poser,
sieht die PDS-Fraktion eine nachhaltige Diskreditierung von Landespolitik.
Politiker müssen sich über ihren Stand in der Bevölkerung
nicht wundern, wenn sie ein solches Verhalten an den Tag legen.
Magdeburg, 8. Oktober 2003
|