Die kulturelle Substanz
in Ostdeutschland darf keinen Schaden nehmen –
PDS fordert Fortsetzung
der Kulturförderung in den neuen Ländern
Der Bund will sein Investitionsprogramm
„Kultur in den neuen Ländern“ zum Jahresende auslaufen lassen und
auch das Programm „Dach und Fach“ zur Sanierung von Kirchen und Denkmälern
in Ostdeutschland beenden. Das Investitionsprogramm „Kultur in den neuen
Ländern“ sei laut Einigungsvertrag von Anfang an nur als Übergangshilfe
angelegt gewesen – lautete die Begründung. Deshalb sei es im Haushaltsentwurf
2004 ebenso wie das Sanierungsprogramm „Dach und Fach“ nicht mehr vorgesehen.
Stattdessen soll ein Programm zur Förderung nationaler Kultureinrichtungen
in den neuen Ländern aufgelegt werden, das rund 6 Millionen €
umfasse. Die gesamten Mittel des „Dach- und Fach “- Programms werden hierhin
umgeleitet. In den vergangenen Jahren seien allein im Rahmen des Programms
„Kultur in den neuen Ländern“ 160 Millionen € zur Verfügung
gestellt und damit mehr als 300 Kultureinrichtungen in den neuen Ländern
saniert oder umgebaut worden. Laut Bundesregierung, könne somit von
einem „guten Stand“ bei der Sanierung von Kultureinrichtungen ausgegangen
werden und das Programm sei nicht mehr erforderlich.
Das sieht die PDS anders:
Die PDS setzt sich energisch für die Einhaltung der im Einigungsvertrag
enthaltenen Verpflichtung für den kulturellen Bereich ein. Die
darin enthaltene Aufgabe, die kulturelle Substanz in Ostdeutschland vor
Schaden zu bewahren, ist noch nicht erfüllt. Die teilungsbedingten
Folgen sind nicht beseitigt, vielmehr sind neue Ungleichgewichte zwischen
Ost und West entstanden. „Die Bundesrepublik Deutschland steht mit diesem
Vertrag und politisch in der Pflicht, einen eigenen, auch finanziellen
Beitrag zur Erhaltung einer ungewöhnlich reichen und vielfältigen
kulturellen Landschaft in den neuen Bundesländern zu leisten. Aus
dieser Pflicht darf und kann sie nicht entlassen werden!“ – heißt
es dazu im Acht-Punkte-Programm der PDS für eine Wende Ost.
Zweifellos hat der Bund
mit seinen Kulturförderprogrammen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt
der kulturellen Infrastruktur in den neuen Ländern geleistet. Diese
Förderung muss aber unbedingt fortgesetzt werden. Die Länder
und Kommunen in Ostdeutschland sind vor allem aufgrund ihrer wirtschaftlichen
Situation auf absehbare Zeit nicht in der Lage, diese Aufgabe allein zu
lösen. Die PDS tritt deshalb für eine Verstetigung der Kulturförderung
des Bundes in den neuen Ländern ein.
Auch die Kulturstaatsministerin
– so ihre Aussage – strebt eine solche Verstetigung an. Der Weg, den sie
dazu einschlägt, ist aber aus unserer Sicht abenteuerlich. Die bestehenden
Förderprogramme werden aufgekündigt, ohne dass eine Finanzierung
ihrer Pläne für ein neues „erweitertes Kulturförderungskonzept“
gesichert ist. Über ihren Vorschlag, Mittel des Solidarpaktes dafür
zu verwenden, verhandelt sie derzeit mit den Ländern.
Der Wegfall des Investitionsprogramms
„Kultur in den neuen Ländern“ (das hieße 30 Millionen €
pro Jahr weniger) beträfe vor allem viele kleinere Kultureinrichtungen,
die immer noch in schlechtem Zustand sind. Für große Kulturprojekte
soll die Förderung ja fortgesetzt werden. Die ersatzlose Streichung
des „Dach- und Fach“ - Programms würde zahlreiche Baudenkmäler
gerade auch in Dörfern und kleineren Städten dem Verfall Preis
geben. Die PDS wird sich deshalb für eine Fortführung dieser
Förderprogramme einsetzen und fordert die Landesregierung Sachsen-Anhalt
auf, sich gegenüber dem Bund für die Fortsetzung der Förderprogramme
stark zu machen.
Stefan Gebhardt
Kulturpolitischer Sprecher
Magdeburg, 15.08.2003
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