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Bundesrat und Bundesregierung wollen Schmalspurausbildung
 

Die Arbeitgeber verlangen mal wieder neue Berufe mit verkürzter Ausbildungszeit. 
Dies gehört seit langem zu ihrem Forderungskatalog.  
Nun hat der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, schnell theorieentlastete Berufe für praktisch Begabte zu schaffen und dabei notfalls auch auf den Konsens der Sozialpartner zu verzichten. Auch bei Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) stößt diese Aufforderung auf offene Ohren.

Nach dem Berufsbildungsgesetz darf für einen anerkannten Ausbildungsberuf nur nach der Ausbildungsordnung ausgebildet werden. Neue Ausbildungsordnungen entstehen in einem mehrstufigen Verfahren, in das die an der beruflichen Bildung Beteiligten, also Arbeitgeber, Gewerkschaften, Bund und Länder einbezogen sind. Bisher wurden neue Ausbildungsordnungen nur dann erlassen, wenn zwischen diesen Beteiligten ein Konsens erzielt werden konnte.

Der von Bund, Ländern sowie Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzte Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat kürzlich eine Empfehlung zu den sogenannten einfachen Berufen abgegeben. Schon für 2004 sollten Ausbildungsordnungen erlassen werden, um so zusätzliche Lehrstellen zu schaffen.

Die Empfehlung erging gegen das Votum der Gewerkschaften.
 
Arbeitgeber gehen davon aus, dass sich für sie eine zweijährige Ausbildung eher rechnet als eine dreijährige. Nicht nur, dass dies einseitig ist und so Jugendliche auch ein Jahr früher arbeitslos sind: Denn die zweite Schwelle (Arbeit nach der Ausbildung) ist für viele unerreichbar. Sie sind aber auch  keine Patentlösung. Jugendliche haben sehr unterschiedliche Probleme, auf die man gezielt antworten muss. In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, die Ausbildung zu verkürzen, in anderen müsste sie dagegen verlängert werden.
Die PDS ist der Auffassung, dass neue Berufe arbeitsmarktrelevant, durchlässig und anschlussfähig sein müssten. Das heißt, dass den Jugendlichen ermöglicht wird, sich später weiter zu qualifizieren und nicht nur für ein bestimmtes Unternehmen ausgebildet wird. Bei Konjunkturschwankungen sind diese Jugendlichen die Ersten, die auf der Straße sitzen. 

Die PDS hält es für bedenklich, an der Qualität der Ausbildung wieder einmal zu drehen. Auffällig ist, dass die Bundesregierung der Arbeitergeberseite blind jede Forderung erfüllt, ohne das die Zusage der Wirtschaft, mehr auszubilden, eingehalten wird. Dies zeigt deutlich, wie wenig die Bundesregierung zur Beseitigung der Ausbildungsmisere bereit und in der Lage ist. 

Die Gewerkschaften sollten endlich parteilich agieren. Parteilich nicht im Sinne ihrer überwiegenden SPD Mitgliedschaft, sondern parteilich für ihre Mitglieder.
 

Magdeburg, 01. August 2003
 
 

Britta Ferchland 
Ausbildungspolitische Sprecherin
 

 
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update 01.08.03
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