Reformprojekt auf Leistungskürzung
und Patientenbeteiligung zurückgestutzt
Ohne Strukturreform fehlt
eigentliche Substanz
Der Reformbedarf im Gesundheitswesen
war und ist über alle Parteiengrenzen hinweg unumstritten. Die Finanzierungsgrundlage
für die Gesetzliche Krankenversicherung gehört auf breitere Schultern.
Das System ist verkrustet und ineffizient in seinen Strukturen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis
des Gesundheitssystems ist mangelhaft.
Die geplanten Leistungskürzungen
und Belastungen allerdings gehen einseitig zu Lasten der sozial Schwächsten
und werden allein aus diesem Grunde durch die PDS in Sachsen-Anhalt abgelehnt.
Eine zeitnahe Einführung einer Erwerbstätigenversicherung - so
wie auch von Ministerpräsident Böhmer in der vergangenen Woche
befürwortet - könnte einen solchen Katalog der Leistungskürzungen
auch überflüssig machen.
Die große Hoffnung
aber, dass darüber hinaus auch endlich an die Pfründe so mancher
Leistungsanbieter wie der Pharmaindustrie herangegangen wird, beispielsweise
mit der Einführung einer Positivliste, scheint den Kompromissverhandlungen
zwischen CDU und SPD zum Opfer gefallen zu sein.
Die geplante Strukturreform
der Bundesgesundheitsministerin war die Substanz des Reformvorhabens, so
z.B. die Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Leistungen,
die Förderung poliklinischer Strukturen, die Förderung des Wettbewerbs
um Qualität auch unter den niedergelassenen Ärzten mittels der
Möglichkeit von Einzelverträgen
mit den Krankenkassen. Sie scheint auf dem Altar der Konsensverhandlungen
zum Opfer gefallen zu sein. Die Gesundheitsreform wäre damit ihrer
eigentlichen Substanz beraubt. Die Akzeptanz unter Versicherten - vor allem
hinsichtlich der von ihnen geforderten Bereitschaft zur Eigenbeteiligung
- würde zu Recht verloren gehen.
Damit wäre nicht nur
die große Chance verpasst, das deutsche Gesundheitssystem in seinen
verkrusteten Strukturen und erheblichen Qualitätsmängeln grundlegend
zu modernisieren. Das Problem einer Strukturreform würde lediglich
in die Zukunft vertagt und verschlänge weiterhin unnötig viele
finanzielle Mittel zu Lasten der Solidargemeinschaft.
Birke Bull
gesundheitspolitische Sprecherin
Magdeburg, 21. Juli 2003
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