PDS-Sommerklausur in
Halberstadt
Die Landtagsfraktion der
PDS führte ihre traditionelle Sommerklausur in diesem Jahr vom 06.
bis 08. Juli 2003 im Beratungs- und Gesundheitszentrum Halberstadt durch.
Folgende inhaltliche Schwerpunkte
standen im Zentrum der Debatten:
- Die Fraktion arbeitet derzeit
an einem komplexen Konzept für die Entwicklung ländlicher Räume,
in denen immerhin 2/3 der Bevölkerung des Landes leben. Seit Jahren
ist hinsichtlich der Lebensverhältnissen eine zunehmende Benachteiligung
der Dorfbevölkerung gegenüber den Städtern festzustellen.
Die Spannbreite der Probleme reicht von der Verkehrsinfrastruktur bis hin
zur Sicherung einer gleichberechtigte Teilhabe an der wirtschaftlichen,
sozialen und kulturellen Entwicklung des Landes. Ihre Bewältigung
erfordert ressortübergreifende Wahrnehmung von Verantwortung, das
bedeutet u.a. auch, dass Fördermittel projektbezogen verwaltet,
bewilligt und eingesetzt werden. Ziel ist die Erarbeitung von Leitlinien
für diese Regionen, die im Frühjahr 2004 vorgelegt werden sollen.
- In den letzten Jahren zeigen
sich neue Tendenzen des Rechtsextremismus in Sachsen-Anhalt, die sich nicht
zuletzt in kulturellen Jugendszenen und ihrer Vermischung manifestieren.
Die Szene organisiert sich zunehmend in „Freien Kameradschaften“, die NPD
hingegen versinkt derzeit in der Bedeutungslosigkeit. Zwingend notwendig
ist die kontinuierliche Auseinandersetzung mit diesen Tendenzen, die sich
nicht auf punktuelle Aktionen wie Protest gegen Nazi-Aufmärsche beschränken
darf.
- Die Olympia-Bewerbung der
Stadt Leipzig ist nach Auffassung der Fraktion eine Herausforderung auch
für Sachsen-Anhalt. Der Beauftragte der Stadt Halle, Rolf Schnell,
informierte ausführlich zum derzeitigen Arbeitsstand. Die PDS wird
die Entwicklung aufgeschlossen begleiten, warnt jedoch vor Versuchen politischer
Einflussnahme. Es geht um flankierende Unterstützung, nicht um Einmischung
durch die Politik.
- Ein Meinungsaustausch fand
zum abgebrochenen Streik der IG Metall statt. Die 35-Stunden-Woche als
Streikziel war, so wurde betont, aus wirtschaftlicher Sicht in dieser Branche
durchaus vertretbar. Es ist allerdings nicht gelungen, eine breite Öffentlichkeit
für das Anliegen zu gewinnen. Die Folge waren Entsolidarisierung –
nicht zuletzt durch die SPD - und Streikbruch. Es scheint, die IG Metall
steht vor der Herausforderung, tatsächlich neue Konzepte der gewerkschaftlichen
Auseinandersetzung unter neuen Bedingungen zu entwickeln, was im Übrigen
auch für die PDS zu trifft. Die eigentliche Gefahr der Streikniederlage
wird vor allem in einer allgemeinen Schwächung der Gewerkschaftsbewegung
als Folge gesehen, was weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen haben
dürfte.
- „Privat oder Staat?“, so
lautete das durchaus provokative Thema des zweiten Tages der Klausur. Entsprechend
kontrovers verlief die Diskussion. Das Thema ist angesichts einer eher
konzeptionslosen „Privatisierungswut“ der Landesregierung von hoher Aktualität.
Es geht dabei um einen Prozess zunehmender Entstaatlichung gesellschaftlicher
Entwicklungsprozesse, der nicht an sich schlecht und ablehnenswert ist.
Es geht vielmehr in jedem Einzelfall um eine genaue Analyse der Problematik,
es geht um die Frage, wie sich die PDS dazu positioniert, wie solche Prozesse
politisch steuerbar sein können. Pflicht, des Staates, so in einem
Diskussionspapier der Klausur, sei die Gewährleistung der Daseinsvorsorge,
Kür hingegen ist die Wahl der Mittel, hier sei sorgfältig zu
bewerten, ob der Staat selbst agieren soll oder ob andere Formen den Vorzug
erhalten. Die Problematik wurde detailliert an einer Reihe von Fällen
beleuchtet, so z.B. im Bildungsbereich oder im Gesundheitswesen. (Nähere
Auskünfte sind bei den Arbeitskreisen der Fraktion einzuholen.)
- Schließlich ging
es am dritten Tag um eine Positionierung zur „Agenda 2010“ und entsprechende
Gegenstrategien. Auch hier wurden beispielhaft einzelne Aspekte aus dem
Gesundheitswesen, der Rentenpolitik, der beruflichen Ausbildung oder der
Arbeitsmarktpolitik debattiert, letzteres vor allem auch unter dem Aspekt
der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Scharfe Kritik richtete
sich hier vor allem gegen das Absenken des Niveaus der Arbeitslosen- auf
das der Sozialhilfe. (Auch hier sind Diskussionspapiere und nähere
Informationen über die Arbeitskreise erhältlich).
Dr. Thomas Drzisga
Magdeburg, im Juli 2003
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