Hochschullandschaft in
Einbahnstraßen
Der Abschlussbericht der
„Arbeitsgruppe Hochschulstrukturen“ besteht in einem Konzept, dass eine
Hochschullandschaft in Einbahnstraßen zeichnet.
Zahlreiche öffentliche
Proteste der Studierenden, Beschäftigten, von Kommunalpolitikern und
Unternehmern haben in den letzten Monaten Vorschläge kritisiert und
vor Entscheidungen gewarnt, wie sie sich jetzt ungebrochen in dem Papier
der Arbeitsgruppe wieder finden. Abgesehen davon, dass also doch das Befürchtete
eingetreten ist, hat sich die Arbeitsgruppe nicht zu einem Umdenken durchringen
können.
Die Hochschulstrukturdebatte
in Sachsen-Anhalt wird daher mit der Grundbotschaft von Schließungen
und Studierendenverlusten geführt. Bisherige regionale Vernetzungen
stellen sich mindestens in Frage. Wer bislang an einer Zusammenarbeit zunächst
interessiert war, wird sich angesichts dieser Entwicklung nicht ermutigt
fühlen, diese umzusetzen.
Verlässlichkeit ist
auch damit nicht gegeben. Bekanntermaßen werden auch diese Strukturentscheidungen
nur unter Kürzungsabsichten gestellt, die zudem dadurch noch nicht
einmal nicht zu realisieren sind.
Das Land wird vor dem Problem
stehen, eigenen Fachkräftebedarf nicht aus eigenen Kräften sichern
zu können, weil junge Leute sich für Studienorte außerhalb
Sachsen-Anhalts entscheiden. Allen Erfahrungen nach kommen sie auch nicht
zurück. Fachkräftemangel wird durch diese Fehlentscheidungen
künstlich verschärft.
Die Position der Rektoren,
die im wesentlichen die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe ausmachten, setzt
eine Interessenvertretung ihrer Hochschulen und der Wissenschaft im Land
nicht um.
Eine Allianz für eine
zukunftsfähige Hochschullandschaft in Sachsen-Anhalt hat damit mögliche,
wichtige und glaubhafte Protagonisten verloren.
Die Vorschläge nur
kritisch zu begleiten, ist in einer solch entscheidenden Phase der Konzipierung
der Hochschulstruktur entschieden zuwenig. Mit dieser Position sind schon
Kürzungspläne in den Hochschulhaushalten durchsetzbar geworden.
Dass die Veröffentlichung
zu einem Zeitpunkt erfolgt, da sich die eigentlich Betroffenen – nämlich
die Studierenden - nicht wehren können, weil Semesterpause ist, gehört
ebenfalls zu dem Kapitel „Schwächung von Widerstand“.
Hier wird längst nicht
mehr in Augenhöhe um zukunftsfähige Strukturen gerungen, sondern
eine Politik der Nötigung fortgesetzt.
Dr. Petra Sitte
Fraktionsvorsitzende
wissenschaftspol. Sprecherin
Magdeburg, 8. Juli 2003
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