Menschen mit Behinderungen brauchen
Taten statt schöner Worte
Im Europäischen Jahr
der Menschen mit Behinderungen ist die Diskrepanz zwischen Worten und Taten
der CDU/FDP-Landesregierung erschreckend groß, konkrete eigene Vorstellungen,
Inhalte und zukunftsfähige Konzepte lässt sie vermissen.
Minister Kley nimmt gerne
Bezug auf das Behindertengleichstellungsgesetz und seine Erfolge
bei der Verbesserung der Lebenssituation behinderter Menschen. Soweit –
so gut, allein die Fakten sprechen eine andere Sprache:
Kürzung des Blindengeldes,
große Probleme bei
der integrativen Kindertagesbetreuung oder
die eklatante Missachtung
der spezifischen Situation behinderter Frauen
sind die Realitäten
im Lande. Unter dem Deckmantel finanzieller Sparzwänge werden gerade
die Menschen in noch größere Bedrängnis gebracht, die auch
ohne dies täglich mit Barrieren verschiedenster Art zu kämpfen
haben. Maßnahmen zur Verbesserung der beruflichen Teilhabe, zu gesundheitsfördernden
Leistungen – Fehlanzeige.
Besonders offenkundig
wird die ganze Misere mit Blick auf die Situation von Frauen und Mädchen
mit Behinderungen:
-die gesamte Behindertenpolitik
orientiert sich an der Situation behinderter Männer;
-Frauenbeauftragte sehen
Behindertenpolitik in aller Regel nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich
und lassen damit immerhin 10 % aller Frauen und Mädchen
außen vor;
-Statistiken, die Menschen
mit Behinderung betreffend, sind geschlechtsneutral angelegt, sie unterscheiden
nicht zwischen Frauen und Männern;
-der Zugang für behinderte
Mütter zu Entbindungsstationen, Kindereinrichtungen, Schulen, Freizeiteinrichtungen
der Kinder und Beratungsstellen, auch Familienberatungsstellen, ist für
sie auf Grund von baulichen oder Kommunikationsbarrieren oft unerreichbar.
Bei all diesen Fragen zeigt
die Landesregierung schlicht mangelndes Problembewusstsein, sie ist behindertenpolitisch
insgesamt etwa dort, wo die alte Bundesrepublik in den 50er oder 60er Jahren
war.
Gemeinsam mit den Betroffenen
und ihren Verbänden und Interessenvertretungen wird die PDS konsequent
auf die Einhaltung des Behindertengleichstellungsgesetzes pochen, bei allen
Gesetzesvorhaben und Initiativen frauenspezifische und behindertenpolitische
Aspekte berücksichtigen und ihre Beachtung einfordern.
Britta Ferchland
gleichstellungspol. Sprecherin
Magdeburg, 28. Mai 2003
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