Einem Modell wird
der Hahn abgedreht –
Schulsozialarbeit in Sachsen-Anhalt
verschwindet
Auf der gestrigen 19. Sitzung
des Landtages wurde das Ende der Schulsozialarbeit besiegelt. Die 1998
erlassene Richtlinie zur Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe wird
nicht verlängert und läuft somit zum 31.07.2003 aus. Dem Antrag
der PDS-Fraktion, der eine Nachfolgerichtlinie ab dem 01.08.2003 forderte,
wurde nicht nachgekommen.
Laut KJHG sind Schulsozialarbeitsprojekte
keine überörtliche Aufgabe sondern Aufgabe der Kommunen, so Minister
Kley. Auch Markus Kurze, Kinder- und Jugendpolitischer Sprecher der CDU,
sieht die sachliche Zuständigkeit bei Landkreisen und kreisfreien
Städten. So entledigt sich das Land von einem Projekt, dessen pädagogische
und soziale Qualitäten in mehreren Begleitstudien evaluiert wurde.
Landesregierung und Koalitionsfraktionen erweisen sich als Insolvenzverwalter,
denn ohne irgendeine Regelung zur Übergangsfinanzierung wird den Kommunen
ab dem 01.08. der derzeitige Landesanteil an der Finanzierung in Höhe
von 90 Prozent aufgebürdert.
Die PDS ist der Auffassung,
dass der Bildungs- und Erziehungsauftrag unter Berücksichtigung des
Wandels neu zu bestimmen und in diesen Zusammenhang auch die Notwendigkeit
und der Stellenwert der sozialpädagogischen Profilbildung und der
Schulsozialarbeit einzubeziehen ist. Schulsozialarbeit sollte heutzutage
als Regelaufgabe und nicht als Ergänzung des Schulalltags verstanden
werden, die ausschließlich für Kriseninterventionen als notwendig
erachtet wird. Schulsozialarbeit ist wichtig für das Schulklima, wichtig
für die Verhinderung von Schulabsentismus oder –bummelei und ist eben
nicht, wie Frau Seifert von der FDP verkündet, durch frei werdendes
Lehrerpersonal zu erledigen, sondern durch ausgebildete und fachlich qualifizierte
SchulsozialarbeiterInnen. Ebenso skeptisch ist die Aussage Minister Kleys
zu bewerten, Projekte der Schulsozialarbeit mit KiFöG-Maßnahmen
flankieren zu wollen: Verbirgt sich dahinter das - pädagogisch und
funktional sehr fragwürdige – Konzept des „offenen Hortes“?
Unter Beibehaltung der derzeitigen
Finanzniveaus von Jugendpauschale, Feststellenprogramm und Schulsozialarbeit
sollen im Jahr 2004 alle drei Programme in einem Topf gebündelt werden.
Das müssten dann im Sozialhaushalt für das kommende Jahr ca.
12 Millionen Euro sein. Seit gestern dürfte aber klar sein: Die Gelder
werden nicht in voller Höhe eingestellt; es werden weder Taten noch
Konzepte folgen.
Britta Ferchland; MdL
Ausbildungs- und Gleichstellungspolitische
Sprecherin der PDS
Magdeburg, 16.05.2003
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