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PDS gegen Kürzungsabsichten
der Landesregierung
im Wissenschafts-, Hochschul- sowie
Forschungs- und Technologiebereich!
Für die Einhaltung
von Wahlversprechen!
Sachsen-Anhalt ist ein Land,
welches eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung braucht. Dazu bedarf es
gesicherter Produktionskapazitäten und Beschäftigung. Als „verlängerte
Werkbank“ ist das nicht zu schaffen.
Innovation statt Niedriglohn
Standortsicherung, Standortattraktivität
bedarf einer eigenständigen und leistungsfähigen innovativen
Basis. Das muss Dreh- und Angelpunkt der Landesentwicklung sein.
Die Landesregierung stellt
an den Anfang der Hochschulstrukturplanung eine Kürzungsdebatte.
Gebraucht wird aber eine
Wissenschaftsdebatte. Denn das Ziel der Hochschulstrukturplanung muss die
Konditionierung und Qualifizierung des innovativen Potenzials des Landes
sein.
Innovation und Investition
Investitionen in die Infrastrukturentwicklung
des Landes sind unumstritten. Finanzierung von Bildung und Wissenschaft
dagegen unterliegen einem Rechtfertigungsdruck, weil sie als konsumtiv
diskreditiert werden. Investitionen in Innovationen vervielfältigen
Leistungskraft! Sie zahlen sich sowohl mit neuen Chancen als auch mit Perspektiven
für junge Leute, Unternehmen und Beschäftigungspolitik aus.
Die Hochschulstrukturplanung
muss sich an Wissenschafts-, Wirtschafts- und regionalen Entwicklungserfordernissen
ausrichten.
Hochschulen sind das Rückgrat
für Spitzenleistungen. Sie zählen gerade im Osten zu den harten
Standortfaktoren. Sie ersetzen fehlende Forschungskraft von mittelständischen
Unternehmen mangels dünner Kapitaldecke. Sie sind eingebunden in wichtige
regionale Initiativen von Städten, Gemeinden und Kreisen. Sie sind
dort Dienstleister und Ideengeber. Hochschulen entwickeln sich in diesem
gesellschaftlichen Kontext!
Wer unter diesen Bedingungen
30 Mio. € netto kürzt, muss eingestehen, dass er eine andere
Hochschullandschaft will. Das Herausbrechen einzelner Teile stellt eine
Gefahr für den Bestand der Hochschulen, mittelfristig für Hochschulstandorte
und langfristig für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt
dar.
Wen soll das ermutigen,
ins Land zu kommen oder im Land zu bleiben – junge Leute nicht und nicht
Investoren!
Dem Land fehlt eine Vision
für die Gestaltung der Wissenschafts- und Hochschullandschaft.
Bisherige Vorschläge
stehen in keiner logischen Beziehung zueinander. Europäische Entwicklungsperspektiven
fehlen gänzlich.
Binnenkonkurrenz weicht
eindimensionalen Verschiebeentscheidungen.
Ein konstruktiver öffentlicher
Dialog zwischen den Einrichtungen wird nicht organisiert. Statt dessen
werden vollendete Tatsachen geschaffen. Die Hochschulen werden genötigt,
Zielvereinbarungen zu unterschreiben, welche die in Selbstverwaltung definierten
Ziele der Hochschulen konterkarieren.
Neben bezifferten Kürzungssummen,
werden ihnen ohne Ausgleich zusätzliche Aufgaben und zusätzliche
finanzielle Verpflichtungen aufgehalst. Die Landesregierung dagegen macht
keine belastbaren Angaben, wie sie eine gerechte Lastenverteilung herstellen
will.
Brutto werden die Haushalte
der Hochschulen viel stärker gekürzt, als jetzt zugegeben.
Das stellt Arbeits-, Ausbildungs-
und Studienplätze in dreistelligen Größenordnungen in Frage.
Einrichtungen werden gegeneinander
ausgespielt.
Geistes-, Sozial-, Erziehungswissenschaften
geraten unter Rechtfertigungsdruck gegenüber technischen und naturwissenschaftlichen
Disziplinen. Sie stehen plötzlich als „Ballastdisziplinen“ in der
Öffentlichkeit.
Studierendenzahlen werden
nicht aus den Entwicklungserfordernissen des Landes, sondern aus der Größe
bestimmt, die die Landesregierung bereit ist zu investieren. Die Studierendenzahl
wird einseitig nach demographischen Erwartungen im Land abgebildet.
Von einer Erhöhung
der Studierendenquote wird nicht ausgegangen. Dagegen gehört die Bundesrepublik
zu den Ländern mit der niedrigsten Quote von Hochschulabschlüssen!
Zur postulierten Internationalität
von Hochschulen gehören auch ausländische Studierende und WissenschaftlerInnen.
Immer mehr BewerberInnen
kommen aus den Altländern, um den Massenuniversitäten zu entgehen.
Die Frage, ob das Land seinen Fachkräftebedarf selbst decken kann
und will, wird verdrängt. Das zeigt sich besonders in der Absicht,
die Lehrerbildung nach Halle zu verlagern. Wir werden mehr Studierwillige
an andere Länder verlieren. Der Pool wird sich insgesamt verringern.
Bisherige Investitionen an
den Hochschulen werden in Frage gestellt. Bestehende Kooperationsbeziehungen
werden gestört und führen zur Verunsicherung bei Ansiedlungsentscheidungen.
Magdeburg
Dr. Petra Sitte
Fraktionsvorsitzende |