Ein Jahr danach: Enttäuschung
und Resignation
Zur bisherigen Bilanz
von Regierung und Koalition
Zu den Ergebnissen der Arbeit
der Landesregierung ein Jahr nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erklären
die Landesvorsitzende der PDS, Rosemarie Hein und die Fraktionsvorsitzende
der Landtagsfraktion, Petra Sitte:
„Mit den Slogans „Höppner
geht, die Arbeit kommt“ und „Wir werden das Kind schon schaukeln“ haben
CDU und FDP vor einem Jahr das Vertrauen eines Großteils der Wählerinnen
und Wähler gewonnen. Sie hatten die Hoffnung, dass es CDU und FDP
besser gelingen könnte, im Land Arbeit zu schaffen.
Diese Hoffnung ist nach
einem Jahr Regierungszeit mehr als enttäuscht.
Mit den üblichen Parolen
-„Wir wussten ja nicht, wie schlimm die Haushaltslage ist“ - werden alle
vollmundigen Versprechen ad acta gelegt:
die Arbeitslosigkeit ist
nicht gesunken,
die Investoren stehen nicht
Schlange,
das Vorhaben der Haushaltskonsolidierung
wurde verschoben,
in die Bildung wurde nicht
investiert.
Dafür hat die Landesregierung
nachdrücklich soziale Schutzräume eingeschränkt, wie beim
Blindengeld; in der Jugendarbeit geradezu einen Kahlschlag veranstaltet,
Schulsozialarbeit de facto beendet, Kinderbetreuung verschlechtert, in
der Schulpolitik eine Rolle rückwärts veranstaltet, mehr Schulstandorte
gefährdet als die Vorgängerregierung.
Was die SPD bewogen heben
mag, in anbiederischer Weise ausgerechnet bei der Kinderbetreuung der Landesregierung
noch weitere Millionen zu sparen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben!
Kontraproduktive Politik
lieferte die Landesregierung auf allen Ebenen ab:
Das Vergabegesetz,
dass Klein- und Mittelständlern im Lande eine bessere Auftragslage
beschert hätte wurde geerdet,
die Kommunal- und Verwaltungsreform
gestoppt,
Kommunalfinanzen
weiter gekürzt.
In der Folge gehen die Möglichkeiten
der Kommunen für eigene Gestaltungspolitik fast überall gegen
Null. Insbesondere für Soziales und Kultur bringt das zusätzliche
Belastungen mit sich. Eine schleichende Privatisierung ist die Folge.
Die Lage des Landes hat
sich im vergangenen Jahr an keiner einzigen Stelle verbessert.
Im Zusammenspiel mit den
arbeitsmarktpolitische falschen Weichenstellungen der Bundesregierung verschlechtern
sich nicht nur die Aussichten der Arbeitslosen, je wieder in ordentlich
bezahlte Beschäftigung zu kommen, sondern auch die Möglichkeiten
des Erhalts einer sozialen und kulturellen Infrastruktur. Dafür
ist Privatisierung öffentlicher Aufgaben an der Tagesordnung mit nun
schon dem zweiten sogenannten Investitionserleichterungsgesetz, das höchst
fragwürdige Folgen zeitigen wird.
Entsprechend desillusioniert
sind die Reaktionen von Bürgerinnen und Bürgern über ein
Jahr Regierungsarbeit. Die PDS wird darum alles in ihrer Kraft stehende
tun, um Alternativen zur derzeitigen Entwicklung aufzuzeigen und einzufordern.
Dabei reden wir kein Wolkenkuckucksheim herbei, sondern bleiben mit den
Füßen fest auf dem Boden der wenig optimistischen Tatsachen.
Dennoch gibt es Entscheidungsalternativen. Für die PDS ist es eben
keine Lösung, zuerst bei den Schwächsten zu sparen. Das gilt
für Landespolitik und noch mehr für Bundespolitik. Umverteilung
heißt auch unsere Losung, aber nicht von Unten nach Oben, sondern
von Oben nach Unten. Dazu gehört eine Verbesserung der kommunalen
Finanzausstattung ebenso wie Verbesserungen im Bildungssystem durch inhaltliche
Reformen und ein gut erreichbares Schulnetz, die bauliche Sanierung von
Schulen, der Erhalt der sozialen und kulturellen Infrastruktur, Sicherung
der öffentlichen Daseinsvorsorge und des dafür benötigten
kommunalen Eigentums.
Die Vorschläge der
PDS dafür liegen auf dem Tisch. Die Landesregierung hat sie bisher
fast vollständig ignoriert.“
Magdeburg, 17. April 2003
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